Jörg Eberhardt - Photographie
 
PORTRAIT
EDITIONEN
Jörg Eberhardt

 
 
 
 

Jörg Eberhardt, Jahrgang 69, ist im hessischen Gelnhausen geboren und studierte in Deutschland Maschinenbau und Betriebswirtschaft. Seine Faszination für alte Maschinen und Industrieruinen galt schon von klein auf, als er mit kindlicher Phantasie in alten Lastwagenwracks auf Reise ging:

„Sommer 1974, Bad Orb, 50 km nordöstlich von Frankfurt am Main. Ich gehe zum Laster. Über den Bach springen, schauen ob keiner da ist, über den Zaun klettern, durch den Brennnesselwald zu den großen schweren Türen des alten Lasters mit Fernfahrerkabine. Es riecht nach alten Polstern, Staub und Motorenöl. Die Sonne scheint durch die zerschlagene Seitenscheibe, Spinnenweben schillern im Licht. Tür zu. Die Reise kann losgehen – ganz schön früh für den kleinen Fernfahrer – mit seinen fünf Jahren – aber dafür um so weiter und abenteuerlicher in der Phantasie. Irgendwann war er dann weg – mein Lasta. Aber irgendwas ist geblieben.

Rund 30 Jahre später, nach Schule, Studium, Beruf und den üblichen Höhen und Tiefen sah ich das Wrack – in Griechenland. Einen alten Mercedes Kurzhauber aus den 60ern mitten in der freien Landschaft, in der Nähe von Meteora. Mir war klar: Da muss ich hin. Also runter von der Landstraße auf den Feldweg, quer über die Wiese, Motor aus, Helm ab. Ruhe. Da war sie wieder, diese Stimmung, der Geruch. Ich erinnerte mich, machte Fotos, zunächst als Notizen, einfache Erinnerungen an diesen schönen Moment. Zuhause angekommen sortierte ich die Fotos. Der „LASTA“ war einfach herausragend. Eine Idee war geboren, und ist bis heute Faszination geblieben.

Alte Lastwagen haben ein Gesicht und erzählen jedem, der sich die Zeit nimmt, Geschichten. Sie sind als Ganzes ausdrucksstark und überraschen mit hunderten von Details, Verlassenschaften, Zeichen und abstrakten Schöpfungen der Zeit. Alte Scheinwerfer funkeln noch mit Restenergie – haben mehr Ausstrahlung denn je, feine Moose erobern sich die besten Plätze und konkurrieren mit grobem Rost, die Farben und Formenpracht aufplatzender Lackschichten, die Stillleben alter Fahrerhäuser, Griffe, Lenkräder, Schalter mit eindrucksvoller Patina. Wer aufmerksam ist, spürt den Kontrast zwischen der unwirklichen Ruhe und der einstigen Betriebsamkeit. Der Sieg der Zeit über die Macht der Technik. Die Vergänglichkeit einstiger Werte relativiert unsere hektische, materielle Welt.

Seit dem Sommer 2005 schaue ich nach alten Wracks. Falsch: Ich suche danach und frage danach, lasse mir Tipps geben. Der Moment des Findens ist immer wieder schön, genauso wie das bewusste Sehen und Photographieren“. Jörg Eberhardt lebt und arbeitet seit 6 Jahren im Süden von Wien. Die Photogrphie ist Leidenschaft und Gegenpol zum geschäftlichen Alltag in der Industrie.